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Die Theologie des Leibes in der ganzheitlichen Ökologie

Sascha Vetterle

Die Theologie des Leibes in der ganzheitlichen Ökologie

Die Theologie des Leibes will uns im Lichte der Offenbarung das reife menschliche Verhältnis von Mann und Frau zueinander und zu sich selbst aufzeigen. Gleichzeitig nannte Papst Johannes Paul II. in seiner Enzyklika Centesimus Annus die auf der Ehe [zwischen Mann und Frau] gegründete Familie „die erste und grundlegende Struktur zugunsten der 'Humanökologie'“ (Centesimus Annus 39), denn: 

„Nicht allein die Erde ist von Gott dem Menschen gegeben worden, daß er von ihr unter Beachtung der ursprünglichen Zielsetzung des Gutes, das ihm geschenkt wurde, Gebrauch machen soll. Aber der Mensch ist sich selbst von Gott geschenkt worden; darum muß er die natürliche und moralische Struktur, mit der er ausgestattet wurde, respektieren.“ (Centesimus Annus 38)

Dies lässt erahnen, dass die Theologie des Leibes auch eine bedeutende Rolle zu spielen hat in der ganzheitlichen Ökologie, wie sie Papst Franziskus in seiner Enzyklika Laudato Si' vorgelegt hat.

Tatsächlich fällt der Begriff Theologie des Leibes selbst nicht in diesem Schreiben. Die zugrunde liegenden Gedanken kehren jedoch dennoch wieder.

In Nr. 155 weist Papst Franziskus darauf hin, dass es unser Leib ist, der „uns in eine direkte Beziehung zu der Umwelt und den anderen Lebewesen stellt“. Unser Verhältnis zu unserem Leib bestimmt daher wesentlich unser Verhältnis zu unserer Umwelt. 

„Das Akzeptieren des eigenen Leibes als Gabe Gottes ist notwendig, um die ganze Welt als Geschenk des himmlischen Vaters und als gemeinsames Haus zu empfangen und zu akzeptieren, während eine Logik der Herrschaft über den eigenen Leib sich in eine manchmal subtile Logik der Herrschaft über die Schöpfung verwandelt.“

So verwundert es nicht, dass die Beherzigung der Theologie des Leibes „für eine wahrhaftige Humanökologie wesentlich“ ist.

Wie Papst Johannes Paul II. sieht auch Papst Franziskus den Leib dabei als notwendig an für Selbsterkenntnis, hier eine Selbsterkenntnis vermittelt durch die Begegnung mit dem anderen Geschlecht und basierend auf der Wertschätzung „des eigenen Leibes in seiner Weiblichkeit oder Männlichkeit“. „Auf diese Weise ist es möglich, freudig die besondere Gabe des anderen oder der anderen als Werk Gottes des Schöpfers anzunehmen und sich gegenseitig zu bereichern.“

Leib und Leben sind Gaben des Schöpfers. Nur die wertschätzende Annahme dieser Gaben – gerade auch in ihrer natürlichen und moralischen Struktur – ermöglicht es, sich dem anderen mit Leib und Leben zum Geschenk zu machen und diesen wiederum als Geschenk zu empfangen. Von dieser zwischenmenschlichen Dimension hängt nicht nur gelungene Selbsterkenntnis ab, sondern auch das geordnete Verhältnis zur übrigen Schöpfung. 

Wie Johannes Paul II. in der Theologie des Leibes deutlich macht, setzt das Schenken des eigenen Leibes und Lebens aber voraus, dass man tatsächlich sich selbst besitzt und über sich selbst verfügt, das heißt in einer ethisch verantwortbaren Weise und eben nicht Sklave der eigenen Triebe oder Gefühle ist. Der Weg dahin führt in unserer gefallenen Welt über eine durch bewussten Verzicht gewonnene Selbstbeherrschung. Es ist diese Selbstbeherrschung, die wir auch im Umgang mit der weiteren Schöpfung benötigen, soll dieser nicht durch Destruktivität gekennzeichnet sein.

In seiner Theologie des Leibes betont Johannes Paul II., dass Fragen der Empfängnisregelung als ethische Herausforderung zu betrachten sind und nicht allein als technisch zu lösende Probleme. Er wendet sich damit im Bereich der Geschlechtlichkeit gegen eine Geisteshaltung, die Papst Franziskus in Laudato Si' in einem weiteren Kontext als technokratisches Paradigma kritisiert hat und der er sein Streben nach einer ganzheitlichen Ökologie entgegenstellt.

Unsere Zeit ist sehr sensibel für die Bedeutung der Geschlechtlichkeit für Selbst- und Welterfahrung. In dieser Linie gilt es anzuerkennen: Eine jede ganzheitliche Ökologie muss auf der Theologie des Leibes aufbauen und steht oder fällt mit ihr, denn wie wir unsere Geschlechtlichkeit leben, hat Auswirkungen auf unser sonstiges Handeln.

Der Einsatz für die Theologie des Leibes wird so zu einem Mitbauen an einer ganzheitlichen Ökologie. Mit seiner Theologie des Leibes hat Johannes Paul II. ein Fundament gelegt, hinter das keiner seiner Nachfolger zurück kann. Papst Franziskus baut auf diesem Fundament mit seiner Lehre von der ganzheitlichen Ökologie weiter. 



Anmerkung der Redaktion:

Der vorliegende Beitrag ist von Sascha Vetterle. Wir danken für die Möglichkeit der Veröffentlichung.


Der Autor

Sascha Vetterle, Jahrgang 1984, hat Geschichte und Politikwissenschaft in Heidelberg studiert. Mit seiner Frau und seinen vier Kindern lebt er im Badischen. Er ist Gründer und Leiter des Instituts für ganzheitliche Ökologie (IgÖ), das zur ganzheitlichen Ökologie nach Papst Franziskus forscht, publiziert und netzwerkt.



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